Im Januar 2008 saß ich bei T aus HH am Frühstückstisch und wir lasen leidlich verkatert in der "Zeit". Im Zeit-Magazin jener Woche gab es einen Bericht über eine Art "Abschiebemanager", ein Bundesbeamter, dessen Job es ist, illegal sich in Deutschland befindliche Menschen wieder in ihr Heimatland zu befördern. Ein begeisternder Artikel, da er sich dem Impuls entzog, ein reifsches S/W-Bild zu erzeugen.
Besonders berührte mich die Teilgeschichte über eine aus einem Land in Afrika (und da sage noch mal einer, US-Amerikaner wären uninteressiert: Ich kann mich schließlich auch nicht an mehr als den Kontinent erinnern...) stammende Familie, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt, allerdings ohne endgültiges Bleiberecht. Nach der Abschiebung der Familie, die noch besondere Dramatik dadurch erhielt, dass der Vater aufgrund einer schweren Krankheit von der Familie getrennt in Deutschland bleiben musste, fing die Gemeinde des Ortes, in der die Familie in den letzten Jahren heimisch geworden ist, an, für die Familie zu kämpfen.
Dieser Bericht führte dazu, dass ich bewegt herumsaß und mich fragte, was ich eigentlich aus meiner privilegierten Situation heraus für andere tue. Nicht besonders überraschend war das Fazit: Nichts. Ich fasste also den Entschluss, dass ich das noch junge Jahr dazu nutzen würde, meine aktive Haltung zur Gesellschaft zu überprüfen und anzupassen.
Gerade habe ich einen Artikel über
Gerald Asamoah und dessen Stiftung gelesen, in dem geschildert wurde, wie einem 6-jährigen Mädchen aus Ghana ein Herzfehler operativ korrigiert werden konnte. Natürlich ist mir klar, dass solche Stiftungen vor allem dazu da sind, Steuern zu sparen, aber in diesem Fall ist es einfach nicht zu leugnen, dass mit dem Geld dieser Stiftung etwas ganz Konkretes getan worden ist. Eine Wertung dieser Aktion ist eigentlich an dieser Stelle vollkommen unnötig, denn worauf es mir gerade ankommt ist ja nur: Der Artikel hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie es eigentlich um meinen Vorsatz aus dem Januar elf Monate später bestellt ist.
Zur Untermauerung der Ernsthaftigkeit meine Vorhabens, habe ich damals als schnell umzusetzende Maßnahme zunächst mal eine Patenschaft bei
Plan übernommen. Das hatte ich schon lange mal vor, insofern kein schlechter Anfang.
Als nachhaltige und mittelfristige Maßnahme habe ich mein baldiges aktives politisches Schaffen gewählt. Eine gute Wahl, denn wie ich finde, kann man an dieser Stelle, insbesondere, wenn man nicht den Weg des Berufspolitikers vor Augen hat, doch einiges für die Allgemeinheit tun. Auch mit diesem Plan gehe ich schon seit Jahren gemeinsam durch das Leben, Seite an Seite, Hand in Hand und doch nie vereint. Allein schon mit Beantwortung der Frage nach der zu wählenden Partei habe ich schon viele Wochen verbracht und das, obwohl eigentlich nur zwei in Frage kommen, wenn man mal davon ausgeht, dass die Linken dann vielleicht doch noch ein Spur zu unseriös sind. Da es jedoch nicht mehr die Zeit des Zauderns, sondern die Zeit des Handelns war, fasste ich also kurzerhand einen Entschluss und entschied mich -ganz gegen den Bundestrend- für die einzige Partei, die meiner Herkunft gerecht werden kann: Die SPD. Die Seite
spd.de aufzurufen und den Antrag auf Mitgliedschaft auszufüllen war eins und nun konnte sie kommen, die politische Karriere. Ja, und dabei ist es dann jetzt auch geblieben. Ich habe noch ernsthaft erwogen, zwei oder drei Termine (Ortsvereinssitzungen und politische Schulung für Einsteiger) wahrzunehmen, bin dann aber doch nicht so richtig dazu gekommen.
Was ich als tatsächlichen Schritt in die richtige Richtung empfinde, ist meine Bemühung um berufliche Neuausrichtung, die dazu beitragen wird, dass wenigstens die Kommunikation in meiner näheren Umgebung ein wenig sozialer werden wird.
Die Bilanz ist also durchaus abhängig von der Darstellung. Einerseits sind die Bemühungen ein bisschen in den Startlöchern hängengeblieben und andererseits: Zwei lange im Hinterkopf herumspukende Dinge sind umgesetzt und eine große Veränderung ist auf den Weg gebracht. Eigentlich gar nicht so schlecht. Ich denke, wir behalten das mal im Auge für 2009.
Nachsatz: Ist es nicht unfassbar, dass Asa es auch in diesem Jahr wieder schaffen wird, am Ende der Saison Stammspieler zu sein?