Supervision wird das Thema meines nächsten Jahres und dann auch der nächsten Jahre - so weit zunächst mal der Plan. Und wer bringt diesen Begriff jetzt mal so richtig in die Diskussion? Genau: Der Heiland und das pünktlich zum Fest. Den amerikanischen Heiland 2008 meine ich natürlich, nicht Franz Beckenbauer ;-)
Obama also gab kürzlich bekannt, dass er zukünftig mehr "adult supervision" geben solle und meint damit, dass die Kontrollen für ökonomische Entscheidungen aller Art in Zukunft stärker werden sollen. Das klingt zunächst mal vor allem nach einem großen Apparat an Kontrolleuren und Kontrollprozessen. Diese würden dann vermutlich dazu führen, dass Kontrolleure bestochen und Prozesse ignoriert werden. Aber eine im oben verlinkten Artikel zitierte Aussage Obamas lässt aufhorchen. Ich versuche mich mal an der Übersetzung:
Jeder -vom Vorstandsvorsitzenden über die Shareholder bis zu den Investoren- wird sich zukünftig fragen müssen: "Ist es nicht nur profitabel, vermehrt es nicht nur meinen Bonus, sondern ist es auch richtig? Ist es vereinbar mit den höheren Handlungsnormen[, denen wir uns verpflichtet fühlen]?"
Er möchte also tatsächlich erreichen, dass die Kontrolle in Wirklichkeit weniger von Außen, als vielmehr durch die moralische Instanz im CEO erfolgt. Ein schöner Ansatz, hoffnungsgebend. Aber irgendwie auch ziemlich unrealistisch, oder? So lange es Bonussysteme gibt, also eine scheinbar objektive Leistungsskala (auch Schulnoten sind ein gutes Beispiel), werden Menschen versuchen, mit allen denkbaren Mitteln möglichst weit oben auf dieser Skala zu sein. Es macht das Leben so schön einfach, wenn man immer ablesen kann, wie wertvoll man ist.
Wenn man nun aber versuchen würde, das Wort Supervision nicht im Sinne von Überwachung, Aufsicht, Kontrolle zu verstehen, sondern es als Methodenapparat zur Reflexion, als Werkzeug zum Hinterfragen der eigenen Position verstehen würde, dann wäre es nicht nur eine konkrete und innovative Maßnahme. Auch wäre dies ein guter Schritt auf dem Weg zu mehr Bewusstsein über das Leben in einem sozialen und nicht nur in einem ökonomischen Kontext, dass eine Definition des eigenen Wertes abseits von Besitzmaximierung ermöglichen würde. Darüber hinaus wäre es eine wunderbare Marketingmaßnahme für meine zukünftige fachliche Ausrichtung, harharhar :-))
Eine Wasserstandsmeldung zum Schluss: Heute war es hell genug und er ist noch da :-)