Eine meiner besten Das-habe-ICH-gesagt?-Anekdoten ist: Mehrmals schon war ich zufriedener Abonnent der Süddeutschen Zeitung. Schon über diesen Umstand kann man -wenn man möchte- schmunzeln. Möchte ich, aber das würde den Erzählfluss total kaputt machen und daher mache ich das vielleicht mal an anderer Stelle. Oder weiter unten. Auf jeden Fall irgendwo, wo es den Text nicht so aufbläht und die eigentliche Geschichte nicht so überdeckt. Das will dann ja keiner mehr lesen. Apropos "will keiner mehr lesen": Ich wollte die Süddeutsche dann auch irgendwann nicht mehr lesen. Das dokumentierte der große Stapel ungelesener Exemplare jedenfalls eindrücklich. Jeden Tag kam ein Exemplar dazu. Wer liest eigentlich Tageszeitungen diesen Formates? Wie schafft man das und vielleicht ebenso interessant: Was hat man davon? Karl Valentin hat ja mal gesagt, dass er es erstaunlich fände, dass jeden Tag genau so viel passiert, dass es in die Zeitung passe.
Aber ich schweife wieder ab: Ich wollte damals das weitere Anwachsen des Papierberges verhindern und fasste den Beschluss, das Abo zu kündigen. So weit ist das keine tolle Geschichte, klar. Jetzt kommt's aber: Seit einiger Zeit legte damals die Süddeutsche ihrer Ausgabe in regelmäßigen Abständen ein Magazin bei, das den Namen "Golf spielen" trug. Man muss nun bedenken, dass ich die Süddeutsche ja insbesondere daher lesen wollte, weil ich mir von ihr versprach, dass sie die wirtschaftlichen und polititschen Entwicklungen eher mit dem linken Auge betrachtete und somit die ohnehin in mir verfestigte politische Ausrichtung mit tagesaktueller Argumentationshilfe bestärken konnte. Und nun das: Soziale, klassenkämpferische, auf Barrikaden gehende, für das Gute aufbegehrende Berichterstattung hier und dort das Veröffentlichen regelmäßig erscheinender Pamphlete für einen elitären sogenannten Sport. Mir war auch damals klar, dass ich hier die Ausrichtung der Süddeutschen ein wenig zu sehr mit der der taz verwechselte, aber sonst hätte die Emotion einfach nicht funktioniert.
Jedenfalls ließ ich mich tief in den Graben fallen, der zwischen den Welten aufgerissen worden war. Beim Aufprall wusste ich, was nun zu tun war. Sie war gekommen - endlich, die Chance, mit einer coolen Begründung aus meiner papierenen Qual entkommen zu können. Bin ich dann auch. Und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich tatsächlichen diesen für mich offensichtlichen Konflikt als Grund für die Beendigung der gemeinsamen Zusammenarbeit zwischen dem Verlag der Süddeutschen Zeitung und mir genannt habe. Der Herr von der Rückgewinnungs-Hotline konnte es damals ebenso wenig glauben, es war aber ein nettes Gespräch.
So, jetzt muss ich hier aber langsam zum Ende kommen. Ich muss hier endlich raus und noch 9 Löcher spielen, bevor die schöne Sonne wieder weg ist.
Freitag, 20. März 2009
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