Ein wahrer, ein starker Führer muss in der Lage sein, dem Geführten in einer dunklen Stunde ein wenig Licht, im grellen Licht ein wenig Schatten zu geben. Es erfordert Mut oder Verzweifelung, einem Führer zu vertrauen. Ich war bereit zu vertrauen und zu folgen, doch ich wurde enttäuscht. Heute, da ich ein wenig versöhnt bin, durch einen weiteren Eindruck, den der Führer mir vermittelte, bin ich in der Lage über diese Enttäuschung zu schreiben.
Zunächst aber zum erleichternden Erlebnis: "Eddi's Durst- und Wurst-Express" [sic] ist wirklich so gut, wie ihn der "Pommesführer Ruhr" beschreibt. Ich lebe seit einigen Jahren im Epizentrum der internationalen Currywurst-Szene, also Bochum, und weiß daher eine gute Wurst zu würdigen. Eddi sollte man zwar weder mit Fußproblemen noch mit aufwändigen Frisuren aufsuchen, da sich dann das Fehlen von Bestuhlung einerseits und Bedachung andererseits sehr negativ bemerkbar machen könnten. Aber diese spannend-exotische Note der Currysoße wiegt in der Tat vieles auf. Es konnte nicht eindeutig identifiziert werden, was diese Note ausmacht (Piment oder getrocknete Nelken waren letztlich die Favoriten), aber der Gesamteindruck war rund. Auch die Pommes waren tadellos, gleiches gilt für die Mayo.
Nun jedoch zum traurigen Teil: Die Bochumer Buden, die im Pommesführer mit der Höchstwertung bedacht worden sind, sind mir schon seit langer Zeit treue Gefährten, deren treusorgende Unterstützung ich stets gerne in Anspruch nahm. Insofern konnte ich mich also sofort mit der Wertung des Führers identifizieren und stellte mit Freude fest, dass ausgerechnet in Mülheim an der Ruhr ein weiterer mit der Höchstwertung ausgezeichneter Wurstbedarfsaustatter ansässig ist. Dies ist insofern für mich ein Anlass zur Freude, als dass ich regelmäßig bis zu zweimal pro Woche ein bis zwei Stunden im sympathischen Essener Vorort Mülheim damit zubringe, Zeit tot zu schlagen. Letzten Mittwoch fieberte ich dieser Wartezeit geradezu entgegen, grenzenlos war meine Vorfreude, doch ich wurde jäh enttäuscht: Von der Wertung für "Erika's Braterei" [sic] bin ich betrogen worden. Durch die Befragung einiger Mülheimer Urgesteine auf dem Gebiet der schnellen Küche, konnte ich tatsächlich den Kultstatus dieses Etablissements überprüfen, jedoch scheint dieser ausschließlich auf der Portionsgröße der gereichten Speisen zu basieren. Diese ist in der Tat über jeden Zweifel erhaben und auch im Pommesführer korrekt beschrieben, aber das kann und darf doch niemals alleine zu einer Höchstwertung reichen. Ich will überhaupt nicht sagen, dass die verköstigte Currywurst sonderlich schlecht gewesen ist, aber sie ist doch nichts weiter als durchschnittlich. Wenn man mal davon ausgeht, dass die Erläuterung im Vorwort korrekt und somit die Erwähnung im Pommesführer an sich schon eine Auszeichnung ist und die niedrigste Wertung weiterhin "Zwei Pommes" lautet, dann kann man unter Berufung auf den hohen Kultfaktor vielleicht "Drei Pommes" vergeben. Niemals jedoch ist es statthaft für diese Durchschnittsperformance eine Höchstwertung zu vergeben. Meine Herren von der PoPo 4350: Hier sollte die Beweislage nochmals überprüft werden.
Meiner Meinung nach gehört Mülheim übrigens schon allein für die Straßenführung rund um diese seltsame Brücke in der Nähe der Innenstadt die Stadtrechte entzogen. Aber zum Thema "Kirchturmdenken im Ruhrgebiet" werde ich sicher noch bei anderer Gelegenheit etwas schreiben ;-)
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