Dienstag, 16. Dezember 2008

Kooperatives Chaos

Mir ist vorhin im morgendlichen Stau etwas aufgefallen: Wenn sich der Verkehrsmob durch ein nahendes blau-blinkendes Ambulanzfahrzeug dazu genötigt sieht, unabhängig vom eigenen Ziel etwas zu erreichen, dann funktioniert das in erstaunlicher Geschwindigkeit. Scheinbar beflügelt durch das gemeinsam Erreichte läuft auch in den Augenblicken danach der Verkehr deutlich zügiger als zuvor und das, obwohl alle Beteiligten wieder ihren eigenen Zielen zustreben. Ist das wieder mal ein Hinweis des Universums an uns alle im Sinne von: "Nun macht mal! Alle an einem Strang ziehen, los, dann wird das schon"?

Der stets eifrige Mathematiker wird sicher mit einer guten Antwort aus der Queuing Theorie aufwarten können. Sie wird nicht nur gut sein, sondern sogar richtig. Denn es gibt einen Beweis und wie sollte etwas, das bewiesen werden kann, falsch sein? Dem Mathematiker mag man ja noch zugestehen, dass er seine Beweise immer und offiziell auf Axiome stützt und wenn es dann doch mal irgendwann und irgendwo passiert, dass irgendjemand eine Zahl n findet zu der es keine Zahl n + 1 gibt, na ja, dann kann man immer noch mal schauen, was man dann mit den ganzen vollständigen Induktionen macht. Da ist er Realist, der Arithmetiker.

Der diskutierende Nichtmathematiker -der durchaus auch ein Mathematiker sein kann, allerdings einer, der gerade nicht mathematisch denkt- hat zwei verschiedene Strategien: Entweder verschleiert er die Existenz der Axiome seines Denkens und lässt sie einfach unerwähnt oder er versucht, seine Diskussionspartner zur Anerkennung seiner Axiome zu zwingen. Wie dem Mathematiker geht es ihm um Widerspruchsfreiheit. Sobald diese erreicht ist, hat er einen Beweis. Und gewonnen hat er auch. Glückwunsch :-)

Würden wir alle gewinnen, wenn wir trotz unterschiedlicher Ziele ein kooperatives Chaos erzeugen würden, in dem es nicht mehr um Widerspruchsfreiheit und Beweise, aber um Freiheit geht? Universum, übernehmen Sie!

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