Montag, 15. Dezember 2008

Marcel Reif, MacGyver und ich

Marcel Reifs Kommentare bei Fußballspielen sind unerträglich. Dies ist keine Frage des persönlichen Geschmacks.

Ich bin vom Schicksal hart geschlagen, da ich Anhänger des großen Schalke 04 bin. Gleichzeitig bin ich aber kein sonderlich großer Freund von Massenveranstaltungen. Drei, vier Mal im Jahr bin ich bereit, den stets verdrossenen Fußballfan auch in freier Wildbahn zu beobachten, aber ansonsten verfolge ich die Spiele meines Vereins doch lieber am heimischen Fernseher. Auch wenn es dem königsblauen S04 nun bekanntlich seit geraumer Zeit nicht mehr gelungen ist, Deutscher Meister zu werden, ist es doch nicht zu leugnen, dass er sich erfolgreich in der Spitzengruppe der Bundesliga etabliert hat. Ohne Einschränkung ist dies ein erfreulicher Umstand. Fast. Denn leider bringt dies als zunächst nahezu unbemerkte Nebenerscheinung mit sich, dass Schalke recht häufig Teil des sogenannten Top-Spiels eines Spieltages ist. Man ahnt es schon: Relativ häufig wird dieses Spiel von M. Reif kommentiert. Die Bedeutung von Yin und Yang wird in solchen Momenten überdeutlich.

Vor einigen Jahren habe ich mal gehört, dass ausgerechnet Marcel Reif als der Intellektuelle unter den deutschen Fußballkommentatoren gilt. Für mich ist er nur eines: Die Bild-Zeitung der Kommentatorenszene. Er tut während seiner Kommentare genau das, was Boulevard-Medien zu tun pflegen: Sie schaffen sich ihre Sensationen durch ihre eigene Berichterstattung selbst. Würde man die Kommentare Reifs mal statistisch auswerten, wäre ich sicher, dass "Ha, ich habe es ja gesagt!" die mit Abstand am häufigsten getätigte Aussage ist. Immer wieder erstaunlich ist es, mit welcher Konsequenz Reif eindeutige Tendenzen im aktuellen Spiel ausmacht und diese münden selbstverständlich auch stets in einer Sensation: Tor, rote Karte, Ein- oder Auswechselung und vermutlich war auch das umfallende Gehäuse im Bernabéu-Stadion schon vorhersehbar, immerhin war es ein 1. April. Münden die Tendenzen nicht in einer Sensation, so werden sie einfach durch die nächste ersetzt.

Ein bisschen erinnert er dadurch natürlich auch an den Weltenretter MacGyver: Auch dieser konnte aus dem Nichts bzw. mit einer Flasche Wasser und ein, zwei Grashalmen eine Atombombe (aka Reifsche Sensation) basteln. Und wo wir gerade bei MacGyver sind: Leider hat es sich ergeben, dass mich mein Auto heute morgen mit einem leeren Scheibenwischwasserbehälter konfrontierte. Das ist bei diesem Wetter nicht schön. Aber in einem dieser Momente, in dem man eins ist mit den Naturgesetzen und einfach allem, kam ich auf die große Idee, die Scheiben meines Fahrzeugs von innen zu erhitzen, um von außen Kondenswasser zu erzeugen. Dieses würde es mir dann ermöglichen, meine Scheiben zu reinigen. Hat aber nicht geklappt.

Übrigens kann ich gar nicht finden, dass Marcel Reif ein ausgemachter Schalker-Hasser ist, wie man es so häufig lesen kann. In anderen Spielen ist er genauso unerträglich.

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